Schritt 2: Anleitung zu deinem Gehirn

Welcher Lerntyp bist du?

Erkenne deine Stärken und nutze sie!

Das Wichtigste in Kürze:

Sag mal, was ist eigentlich dein Hobby? Jeder hat ja etwas, das er gerne macht und besser kann als andere. Ich liebe Motorradfahren: Niemand schreibt einem vor, was man zu tun hat, Wind und Sonne fliegen einem ins Gesicht und man ist absolut frei. Und es gibt die verrücktesten Hobbys: Gärtnern, Sprachenlernen, Kaninchen züchten. Und das ist auch gut so. Denn erstens wäre die Welt langweilig, wenn alle dasselbe machten. Und zweitens sind wir alle verschieden, haben unterschiedliche Interessen, Stärken und Schwächen.

Umso verwunderlicher ist es doch, dass wir in der Schule, ungeachtet unserer Unterschiede, alle gleich lernen sollen! Es ist ja nicht so, dass Lehrer jedem Schüler einen individuell abgestimmten Lernplan vorlegen. Im Gegenteil: Egal ob binomische Formeln, die Französische Revolution oder Kunstgeschichte – jeder bekommt die gleichen Aufgaben, jeder bekommt die gleiche Zeit und jeder soll doch gefälligst die gleichen Ergebnisse abliefern. Dabei ist es beim Lernen wie mit den Hobbys: Jeder Mensch hat einen ganz eigenen Zugang zu den Dingen. Die einen brauchen etwas mehr Zeit, die anderen bevorzugen Videos anstelle von Texten und ich persönlich laufe beim Nachdenken gerne viel herum (Du ahnst kaum, wieviel Kilometer ich für dieses Kapitel zurückgelegt habe…). Machen wir uns doch nichts vor: Wenn du selbst nicht auf die für dich passende Weise lernst, macht dies keiner für dich. Aber wie können wir den für uns idealen Weg herausfinden? Was ist dein ganz persönlicher Schlüssel zum Gehirn? Werfen wir mal einen ersten Blick auf dich. Schau dir die folgenden Aussagen an und markiere diejenigen, denen zu zustimmst:

Auch wenn ich allein bin, lese ich Texte gerne laut. Grafiken verstehe ich dann besonders gut, wenn sie mir jemand erklärt. Ich behalte Dinge gut, wenn ich sie höre (z.B.im Radio oder YouTube-Tutorial)

Ich bevorzuge Grafiken und Bilder anstelle von Texten. Oft erinnere ich mich eher an die Position einer Vokabel im Buch als an ihre Bedeutung. Farben, Skizzen und Zeichnungen helfen mir beim Lernen.

Ich bastle gerne und probiere Dinge aus. Ich habe beim Lernen oft den Wunsch, mich zu bewegen oder körperlich aktiv zu sein. Ich kann gut denken, wenn ich dabei herumlaufe (z.B. beim Telefonieren)

Mit welchen Aussagen identifizierst du dich am meisten? Welche Farbe hast du am häufigsten angekreuzt? Und was bringt es dir überhaupt, das zu wissen?! Du ahnst es sicherlich: Jede Gruppe von Aussagen steht für eine besondere Art zu lernen. Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Farben und Lerntypen:

Was sind überhaupt Lerntypen und was bringt es mir, das zu wissen?

Niemand würde Suppe mit Stäbchen essen. Das dauert viel zu lang und das meiste würde daneben kleckern. Wieso sollte man also beim Lernen so etwas machen? Jemand, der beim Arbeiten für die Schule nicht seinen Lerntyp berücksichtigt, verschwendet unnötig Zeit. Und das meiste des Gelernten kleckert daneben. 

Der Begriff Lerntyp ist ein in der Wissenschaft umstrittener Begriff. Er bezeichnet Zugänge zu Wissen, die Menschen individuell bevorzugen. Unklar ist, ob dein Lerntyp ein Leben lang gleichbleibt oder sich verändern kann. Aus meiner Erfahrung am Gymnasium kann ich sagen: Für deinen Weg zum Abitur solltest du deinen Lerntyp zumindest grob kennen. Hierdurch lernst du einfacher und effektiver. Grundsätzlich werden vier Lerntypen unterschieden:

visueller Lerntyp

Der visuelle Lerntyp lernt besonders gut mit den Augen. Grafiken, Diagramme, Bilder und Videos sind für ihn das Mittel der Wahl. Die meisten Menschen sind diesem Lerntyp zuzuordnen

auditive Lerntyp

Der auditive Lerntyp behält Informationen besonders gut, wenn er diese nicht nur sehen kann, sondern auch hört. Menschen dieses Lerntyps lernen gerne laut, durch gesprochene Erklärungen oder etwa mit Hörbüchern.

haptischer Lerntyp

Bei ihm geht es weniger um Bilder und Worte als um aktives Handeln. Wenn man im naturwissenschaftlichen Bereich ein Experiment selbst durchführt und die verschiedenen Utensilien in der Hand hält, wenn man Modelle zum Anfassen nutzt, wenn man ein Theaterstück nicht nur liest, sondern tatsächlich auch spielt oder zu einem Text ein passendes Bild malt, dann werden die Informationen besonders tiefgreifend gespeichert.

kommunikativer Lerntyp

Menschen des kommunikativen Lerntyps können sich Informationen besonders gut merken, wenn sie darüber sprechen oder sie kritisch hinterfragen. Dinge merken sie sich besonders gut, wenn sie jemandem etwas erklären oder über etwas diskutieren. Hierzu muss das Wissen natürlich vorab –visuell oder auditiv- aufgenommen worden sein. Gut behalten kann dieser Typ aber erst durch die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Inhalten. Partner- und Gruppenarbeiten sind dabei besonders gute Möglichkeiten.

Kein Mensch ist genau einem Lerntyp zuzuordnen. Darum sollte man sich bewusst machen, welchem Typ man tendenziell am ehesten entspricht und das eigene Lernen dementsprechend anpassen. Denn, ich sag es nochmal: Jeder von uns ist anders. Um das Gleiche zu lernen, müssen wir unterschiedliche Wege gehen.

Falls du noch unsicher sein solltest, umso besser: Mit einem kleinen Lerntypen-Test finden wir deinen Lerntyp in den nächsten 10 Minuten heraus. Keine Angst, es handelt sich nicht um eine komplizierte akademische Befragung. Betrachte den Test eher als Orientierung, um dir deines Lernstils bewusst zu werden und hieraus individuelle Lerntipps zu ziehen. 

Los gehts!

Teste dich!

Teste dich auf die folgenden Lerntypen und gucke mit welchem du am besten klar kommst. Ohne Schummeln 😉 

Viel Spaß!

Stelle einen Timer auf 30 Sekunden. Nachdem du den Timer gestartet hast, lies jedes Wort in der Box laut vor.
Wenn du fertig bist, sage die 4er-Reihe auf.
Nimm dir anschließend 20 Sekunden, um (ohne zu schummeln) auf der Rückseite alle Worte zu notieren, an die du dich erinnerst.

Pfanne, Ast, Opa, Blatt, König, Stift, Kabel, Licht, Blut, Banane

Stelle einen Timer auf 30 Sekunden. Nachdem du den Timer gestartet hast, stehe auf und lies die Worte im Gehen laut vor. Versuche zu jedem Begriff eine möglichst passende (Hand-)Bewegung zu machen.
Wenn du fertig bist, sage die 8er-Reihe auf.
Nimm dir anschließend 20 Sekunden, um alle Worte zu notieren, an die du dich erinnerst.

Geben, Haare, Zahl, Glas, Auge, Apfel, Buch, Trompete, Rad, Idee

Stelle einen Timer auf 30 Sekunden. Nachdem du den Timer gestartet hast, schaue dir jedes Bild für ein bis zwei Sekunden an.
Wenn du fertig bis, sage die 7er-Reihe auf.
Nimm dir abschließend 20 Sekunden Zeit, um alle Dinge zu notieren, an die du dich erinnerst.

Fertig?  Dann kommt jetzt der spannende Teil! Zähle die korrekt erinnerten Begriffe jeder Farbe und betrachte dein Ergebnis für einen Moment. Noch einmal der Hinweis: Es geht nicht darum, möglichst viel zu erinnern. Wichtig ist die Erkenntnis, auf welchem Kanal du am effektivsten lernst. Je nach individueller Veranlagung sind deine Lernvorlieben unterschiedlich ausgeprägt. Wo liegen deine Stärken? Bist du ein Mischtyp oder eindeutig einem einzigen Typen zuzuordnen?

Persönliche Empfehlungen für jeden Lerntyp

Zu wissen, welchem Lerntyp man zuzuordnen ist, ist nur die halbe Miete. Deshalb schauen wir uns jetzt die für dich besten Lernmethoden an! Markiere die Tipps, die dir am besten gefallen, mit einem ♥️!

Los gehts!

Tausche dich mit Freunden aus

Es gibt Lerntipps wie Sand am Meer. Die hier gegebenen Vorschläge bilden nur eine kleine Auswahl aller denkbaren Möglichkeiten. Nimm dir zum Abschluss dieses Abschnittes noch einmal ein paar Minuten, um ein paar Freunde anzurufen (du erinnerst dich an deine Liste von 1.2?). Besprich mit ihnen deine bisherigen Erkenntnisse und frage, ob sie vielleicht noch weitere Lerntipps für dich haben!