Schritt 2: Anleitung zu deinem Gehirn

Gemütlich machen, besser lernen

So bringst du dein Gehirn auf Touren

Das Wichtigste in Kürze:

Gestern haben wir uns angeschaut, wie du neue Informationen besser lernst. Diese grundlegende Erkenntnis ist wichtig, aber natürlich löst sie nicht alle Schwierigkeiten beim Lernen. So müssen wir beispielsweise auch verstehen, dass unser Gehirn nicht zu jedem Zeitpunkt und unter allen Bedingungen gleich gut arbeitet. Dementsprechend können wir auch nicht ständig und überall gleich gut lernen.

Körper und Geist

Dass Sportler darauf achten ihren Körper gesund zu halten und zu trainieren, klingt plausibel, denn ihr Körper ist ihr Kapital. Der Körper ist jedoch auch bei geistigen Aufgaben elementar. Dies wird besonders deutlich, wenn man einmal übermüdet und hungrig ist und in diesem Zustand für eine Prüfung lernen möchte. Man ist schnell reizbar und kann die Konzentration nicht lange hochhalten. Fakt ist: Um leistungsfähig zu sein, benötigt unser Körper ausreichend Sauerstoff und Energie. Eine gesunde Ernährung und ein durchlüftetes Zimmer, ein ausgeruhter Körper und ein frischer Geist, der an diesem Tag nicht bereits viele Stunden rotiert hat, sind besonders gute Voraussetzungen für das Lernen.

Zwar kannst du nicht immer alle Bedingungen kontrollieren, da z.B. manche Schultage sehr lang sind, du ab und zu wichtige Termine hast oder du schlecht geschlafen hast. Einige Dinge kannst du jedoch sehr gut und teilweise sogar sehr leicht beeinflussen. Zum Beispiel kannst du das Zimmer vor dem Lernen einmal durchlüften, du kannst etwas essen, was nicht schwer im Magen liegt. Ruhe dich vor einer längeren Konzentrationsphase ein wenig aus und gehe anschließend etwas nach draußen, um dich zu bewegen.

Los gehts!

WIE IST ES BEI DIR?

Denk für einen Moment darüber nach, zu welchen Zeitpunkten du oft Hausaufgaben bearbeitest und lernst. Gehst du manchmal an deine Aufgaben heran, obwohl du hungrig, übermüdet und gestresst bist? Was könntest du ändern, damit dies seltener der Fall ist? Könntest du deine Lernzeiten zum Beispiel zeitlich verschieben?

Zu müde oder zu gestresst zum Lernen?

Wenn man erfolgreich lernen möchte, so hilft es sich darüber bewusst zu werden, unter welchen Bedingungen unser Gehirn besonders lernbereit ist.

Menschen können sich in drei verschiedenen Zonen befinden, die für das Lernen relevant sind: Die Komfortzone, die Lernzone und die Panikzone.

1. Die Komfortzone
Hier geht es dir gut, du fühlst dich sicher und du bist zufrieden. Du machst es dir gemütlich, du chillst und genießt das Leben ganz entspannt. Etwas zugespitzt und übertrieben formuliert: Du bist kurz davor, wegzudämmern.
2. Die Lernzone
Hier bist du viel wacher und aktiver, du wirst gefordert und stellst dich einer Herausforderung. Du bist aufnahmebereit und auch bereit, etwas aktiv zu tun.
3. Die Panikzone
Etwas macht dir Angst und du bist in Alarmbereitschaft. Instinktiv suchst du Wege, um aus dieser Situation zu fliehen, im schlimmsten Fall bist du aber wie gelähmt. Das Gefühl kennen wir alle.
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In der Komfortzone ist unsere geistige Bereitschaft zu arbeiten, zu lernen und die Welt zu verändern, eher schwach ausgeprägt. Unsere Herausforderung ist es also, die Lernzone zu erreichen. Wenn ich nachmittags frei habe, mir niemand Druck macht und ich mit meinen Freunden rumhänge, einen spannenden Film anschaue oder mich meinen Hobbys widme, treibt mich kaum etwas zum (unbequemeren) Lernen an.

Umgekehrt ist es auch vorstellbar, dass man sich in der Panikzone befindet: Die Eltern machen Druck, die letzten Prüfungsergebnisse waren schlecht oder es droht gar das Sitzenbleiben. In diesem Fall drehen sich die Gedanken um das Scheitern und die Konsequenzen. Negative Gefühle wie Frust und Angst überwiegen und alle Aussichten auf einen Erfolg färben sich schwarz. Wenn es so weit gekommen ist, ist es dringend nötig wieder zurück in ein unbeschwertes Verhältnis zum Lernen zu kommen.

Falls es bei dir bereits jetzt so weit gekommen sein sollte, ist guter Rat teuer. In einigen Fällen helfen Gespräche mit Eltern, Lehrern und auch Freunden, um anderen zu signalisieren, dass einem alles gerade über den Kopf wächst. Im besten Fall können diese Personen etwas von dem Druck nehmen, den der Lernende empfindet.

Für deinen Weg zum Abitur solltest du immer Folgendes beachten: Mache dir bewusst, dass du in der Panikzone kaum zum Erfolg kommen wirst. Dies erreicht du durch bewusstes Zeitmanagement.

Zeitmanagement und Rhythmus

Besonders populär heutzutage ist das sogenannte Bulimielernen. Man setzt sich wenige Tage vor einer Prüfung hin und schaufelt möglichst viele Informationen in sich hinein, um diese am Tag der Prüfung wieder auszuspucken. Das mag hin und wieder funktionieren, aber um langfristiges Lernen handelt es sich hierbei nicht. Es ist zwar durchaus nachvollziehbar, dass man manchmal lieber kurz vor knapp anfängt zu lernen, weil man sich in manchen Phasen in wenig Zeit sehr vielen Prüfungen stellen muss oder manchmal einfach auf andere Dinge als Schule Lust hat.

Das Problem jedoch ist, dass dieses nur kurz und durchaus intensiv gepaukte Wissen oft nur im Kurzzeitgedächtnis bleibt und nach wenigen Wochen, manchmal auch schon nach einigen Tagen, kaum noch nutzbar ist. Und das wird spätestens in der darauffolgenden Klausur zum Problem. Und erst recht im Abitur! Wie auch sollten sich bei einer in kürzester Zeit verschlungenen Vielzahl von Informationen sinnvolle und tiefe Verknüpfungen zum Vorwissen entwickeln? Es ist kaum möglich!

Es gibt Leute, die sagen: „Damit bin ich bis jetzt immer ganz gut gefahren“. Sie erkennen den Preis nicht, den ein solches Lernen hat. Erinnern wir uns: Lernen funktioniert durch Verknüpfungen besonders gut! Wenn das für eine Prüfung „Gelernte” aber nach einigen Wochen nicht mehr verfügbar ist, weil es nicht verknüpft wurde, dann kann sich auch in Zukunft nichts mit diesem „Wissen” erneut verknüpfen. Einzelne Trampelpfade liegen verwaist im Kopf herum, führen ins Nirgendwo und werden auf kurz oder lang überwuchern und verschwinden. Vokabeln, die man für einen Englischtest gepaukt hat, muss man doch wieder nachschlagen, weil man sie nicht mehr im Kopf hat. Rechenwege, die man für eine Prüfung kurzzeitig draufhatte, sind nicht mehr verfügbar. Das bedeutet: Wenn ich heute nicht richtig und tief lerne, werde ich es in Zukunft schwerer haben, neue Dinge zu lernen. In jedem Fall werde ich später einmal, in höheren Jahrgangsstufen, viel mehr Zeit investieren müssen als andere Schüler, da es mir schwerer fallen wird, Verknüpfungen für neue Informationen herzustellen.

 

Wenn man kein Superhirn ist, der sich alles perfekt merken kann, führt kein Weg dran vorbei: Man muss bewusst seine Lernzeit planen. Man muss früher anfangen und kann dadurch den Lernstoff auch besser portionieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Man benötigt ein Zeitmanagement und einen Rhythmus für das Lernen.

Los gehts!

ZEITMANAGEMENT

In der Oberstufe hat eine Unterrichtsreihe zu einem bestimmten Thema eine Dauer von etwa 10 bis 12 Schulstunden, verteilt über drei bis fünf Wochen. Dann schließt sie mit einer Prüfung ab. Wie sähe deiner Meinung nach ein gutes Zeitmanagement für eine Prüfungsvorbereitung aus, wenn du das Thema verstehen möchtest, du ein gutes Prüfungsergebnis anstrebst und auch langfristig das Gelernte behalten möchtest?

Tipp: Bedenke, dass auch die Klausuren der anderen Fächer zu ähnlichen Terminen geschrieben werden und dass du gegebenenfalls auch einmal krank wirst.

Kurzum: Je besser die Umstände des Lernens, desto besser das Lernergebnis. Und viele dieser Faktoren kann und sollte man beeinflussen. Nimm dir noch kurz eine Minute Zeit, um das Wichtigste aus diesem Kapitel in die Lern-Box zu notieren.

Morgen werden wir deinen persönlichen Lerntyp analysieren, um für dich passende Lernstrategien zu entwickeln.  Bis dahin wünsche ich dir einen schönen Tag!